1. Kapitel

 

 

Im Schloss des alten Lords

 

 



Es war still in dem alten Schloss, das einsam in den tiefen Wäldern Schottlands am Fuße einer hohen Bergkette lag. Die Nacht senkte sich sanft wie eine Decke über die alten Gemäuer. Dieses Schloss war schon mehrere Jahrhunderte alt, und das Mauerwerk begann bereits, an der einen oder anderen Stelle zu bröckeln. All dies gehörte dem Clan der McShredders, und der jetzige Besitzer war der fast 90 Jahre alte Lord McShredder. Zusammen mit seinem treuen, etwas ungeschickten Butler Frido McClown wohnte er in diesem einsamen, unheimlichen alten Bauwerk.

 

Es war gegen Mitternacht, als Lord McShredder nach seinem Butler rief.

"Hey, McClown, wo treibst du dich wieder herum? Mir ist kalt!"

Langsam näherte sich der treue Butler und sagte mit einem treuherzigen Augenaufschlag: "Wie euere Lordschaft sicherlich wissen, ist der Strom ausgefallen, und die Heizung funktioniert nicht mehr, aber wie wäre es mit einem Tee?"

"Häh?", rief Lord McShredder empört, "Was soll ich denn am See?"

McClown verdrehte die Augen im Kopf, denn es war kein Geheimnis, dass Lord McShredder reichlich schwerhörig war.

"Ich sagte Tee, Mylord!"

"Der See ist fort?" McShredder schüttelte den Kopf.

"Also, gestern war er noch da", fuhr er fort und sah McClown erstaunt an.

"Warum machst du mir nicht einen Tee, wenn mir kalt ist?"

Stöhnend ging Frido McClown in die Küche, um heißes Wasser aufzusetzen, als ihm klar wurde, dass ohne Strom auch kein heißes Wasser zu bekommen war. Mit betrübtem Gesicht schlurfte er zurück zum Lord und erklärte ihm, dass es ohne Strom keinen Tee geben könne.

 

Lord McShredder dachte lange nach und schlug vor, statt eines Tees einen dicken Pullover oder noch besser, einen Pelzmantel zu bringen.

 

"Sir, alle unsere Klamotten haben die Motten gefressen", gab der Butler zu bedenken.

"Häh", entgegnete der schwerhörige Lord, "Allah und die Karotten haben auf Hottentotten gesessen?"

"D-I-E M-O-T-T-E-N H-A-B-E-N D-I-E K-L-A-M-O-T-T-E-N G-E-F-R-E-S-S-E-N !", brüllte der Butler und fasste sich verzweifelt an den Kopf.

"Du brauchst nicht zu schreien", entgegnete McShredder verärgert, "ich bin ja nicht schwerhörig!"



Lord McShredder

 

Während der Butler einem Nervenzusammenbruch nahe war, griff der Lord nach seiner Pfeife, musste aber feststellen, dass er keinen Tabak mehr hatte. Am Tag zuvor war ihm das dumme Missgeschick passiert, dass er beim Stopfen seiner Pfeife einen solchen Niesanfall bekam, dass nunmehr der gesamte Tabak fein säuberlich im gesamten Schloss verteilt war.

 

"Ach ja, noch etwas, mein lieber McClown", begann Lord McShredder.

"Denken sie doch bitte Morgen daran, dass sie das Schloss nicht staubsaugen, sondern mit dem Besen fegen. Wenn sie fertig mit Fegen sind, kippen sie bitte alles in meinen Tabaksbeutel, wir müssen schließlich sparen."

Der Lord rieb sich die kalten Hände und fuhr fort: "Und noch etwas, mein Lieber, ich brauche einen dicken Pullover, oder noch besser, einen neuen Pelzmantel. Mein Rheuma wird immer schlimmer."

"Gut", stöhnte McClown, "dann werde ich in die Stadt fahren!"

"Radfahren?", fragte der Lord verwundert, "zu dieser späten Stunde?"

"I-N D-I-E S-T-A-D-T F-A-H-R-E-N !", krähte der Butler. "Gleich nach dem Aufstehen!"

"Wieso willst du einen Scheich aufdrehen? Was redest du wieder für einen Unsinn, McClown!"

Der Lord schüttelte verwundert seinen Kopf.

 

Kreischend rannte der Butler aus dem Raum und verschwand für den Rest der Nacht in seinem Zimmer. Warum, dachte er, warum muss gerade ich so einen schwerhörigen alten Sack bedienen?

 

Am nächsten Morgen stand McClown recht früh auf, und während er die Stufen des Schlosses hinunter in den großen Saal ging, sah er seine Lordschaft noch immer in seinem Sessel sitzen und schlafen. Er ging weiter in die Küche, setzte Wasser auf, holte eine Pfanne heraus und schlug ein paar Eier hinein. Nachdem er noch einen Teebeutel gefunden hatte, bereitete er die Teekanne vor und steckte zwei Scheiben Toast in den Toaster. Zufrieden stellte er die Pfanne auf den Herd und drehte ihn an. Dann ging er zum Lord und rief: "Aufstehen, euer Lordschaft, das Frühstück wird gleich serviert!"

"Wie bitte?", fragte Lord McShredder verschlafen, "Im Stehen hat sich ein Schuft die Fühler rasiert? Warum denn das? Warum tut er so etwas?"

 

"Ach", entgegnete McClown grinsend, "hin und wieder sollte man sich schon die Fühler rasieren."

"Verstehe", entgegnete der Lord, "vielleicht sollte ich das auch einmal tun."

Noch bevor der verdatterte Butler antworten konnte, fuhr der Lord fort: "Wo bleiben meine Rühreier? Sind die noch nicht fertig?"

McClown rannte in die Küche, und ihm fiel siedend heiß ein, dass es ohne Strom wederTee noch irgendwelche Rühreier geben würde.

"Wird's bald?", rief der Lord, "Ich verhungere!"

"Sofort, " rief McClown wütend, kippte die rohen Eier aus der Pfanne in einen tiefen Teller, nahm Besteck und stellte alles vor den Lord auf den Tisch.

Der Lord löffelte die rohen Rühreier, sah McClown an und stellte fest: "Köstlich mein Lieber, sie haben sich heute wieder einmal selbst übertroffen! Übrigens habe ich gestern einen Artikel in der Zeitung gelesen. Es war ein Bericht über die syrische Wüste. Stellen sie sich vor, McClown, dort leben Tausende von Hamstern! Es heißt, dass diese Tiere nur in der Nacht aktiv sind, und wissen sie warum, McClown?"

"Wahrscheinlich, weil es ihnen tagsüber zu heiß ist", entgegnete der Butler.

"Falsch", fuhr McShredder fort, "weil es ihnen tagsüber zu heiß ist!"

"Ach, tatsächlich?", fragte der Butler verärgert.

"Das hätten Sie nicht gedacht, was?", triumphierte Lord McShredder. "In der Tat haben diese Tiere ein dickes Fell gegen die Kälte, und wissen sie, welche Idee mir da kam?"

"Nun", antwortete der Butler, "wahrscheinlich wollen sie sich jetzt auch ein Fell wachsen lassen, Sir."

"Unsinn", krächzte der Lord, "ein Pelzmantel aus Hamsterfell muss her. Sie müssen sofort abreisen und irgendwoher einen Pelzmantel aus Hamsterfell besorgen. Aber vorher fegen sie noch das Schloss, schließlich brauche ich etwas zum Rauchen."

"Aber Sir", begann der Butler, "wir könnten Schafsfell nehmen."

"Nichts da, sie werden keinen Schlaf mehr nehmen, beeilen sie sich endlich, McClown!"

"Euer Lordschaft, ich werde Tausende von Hamstern für einen Pelzmantel brauchen!", rief der Butler entsetzt.

Englischer Hamster

 

 

 

"Na, und", entgegnete McShredder, "ich darf ja wohl etwas Einsatz verlangen. Zu meiner Zeit wurden alle Schafe in der gesamten Umgebung mit der Hand geschoren. Ich sehe also keinen Grund, warum sie sich bei ein paar Hamstern aufregen."

"Soll das heißen, dass ich alle Hamster einzeln scheren soll?", fragte McClown entsetzt.

"Unsinn, keine Hamster teeren", antwortete der Lord, "sie verstehen einfach nicht, mein lieber McClown, sie sollen die Tierchen scheren. So, und jetzt genug der Worte, ich hätte gerne einen Tee."

 

Der Butler schlurfte mit hängenden Schultern in die Küche zurück und murmelte leise Flüche vor sich hin. In der Küche angekommen, schleuderte er wütend einen Teebeutel in eine Tasse mit kaltem Wasser. Dabei spritzte Wasser über einen uralten Gasherd, und während er mit der einen Hand das Spritzwasser wegwischte, versuchte er, mit der anderen Hand den Zucker aus dem Schrank zu angeln. Er griff daneben, und der Zuckertopf landete auf seinem Kopf. Es schmerzte höllisch. Während er sich den Kopf hielt, hörte er den ungeduldigen Lord rufen: "Wie lange muss ich noch auf meinen Tee warten?"

Nun war es mit der Geduld von McClown vorbei. Er nahm die beiden Toastscheiben, stopfte sie in die Teetasse und drückte sie tief und fest hinein. Dann nahm er die Teetasse und rannte zum Lord, dass heißt, er wollte zum Lord rennen. Leider blieb er mit dem Ärmel am Toaster hängen und riss ihn herunter. Wütend trat der Butler gegen den am Boden liegenden Toaster und schoss ihn in das Regal mit dem Essgeschirr. Es klirrte und polterte, und der Schrank kippte auf den armen Butler, der sich verzweifelt am Gasherd festhielt. Als er kurz darauf unter einem Berg von kaputtem Geschirr und zerbrochenen Schrankteilen lag, hörte McClown ein lautes Zischen neben sich. Da er unter dem Küchenschrank begraben war und somit nichts sehen konnte, nahm er ein Streichholz aus der Tasche und zündete es an. Noch während das Streichholz aufflammte, wurde ihm klar, dass das Zischen von dem alten Gasherd verursacht wurde.

 

Gas, dachte er, das ist es! Wir brauchen gar keinen Strom, denn wir können auch Gas zum Heizen nehmen. Wer hätte gedacht, dass der alte Gasherd noch funktioniert. Ich brauche also gar keine Hamster einfangen und...

 

McClown beim Teekochen

 

 

 

Der Rest seiner Gedanken wurde jäh von einem Knall unterbrochen. McClown fühlte sich von einer riesigen Hand gepackt und hochgehoben, dann flog er durch die Küchentür in den großen Saal. Dabei hielt er die Teetasse mit dem Toastmatsch immer noch krampfhaft fest. Dann knallte es noch einmal, und der Butler war neben dem Lord gelandet.

 

"Na also", sagte Lord McShredder, "es geht doch. Warum sind sie nicht immer so schnell? Haben sie die Geräusche eben gehört? Es klang, als wenn jemand an der Tür geklopft hat."

Frido McClown erhob sich stöhnend, reichte dem Lord die Teetasse und wankte zur Haustür. Es dauerte einen Augenblick, bis er sie geöffnet hatte. Als er niemanden sah, schloss er sie wieder.

"Wo bin ich, was mache ich hier?", fragte er und hielt sich den dröhnenden Schädel.

"Danke, der Tee ist köstlich", hörte er eine krächzende Stimme sagen.

Er sah sich um. Irgendwie kam ihm der alte Mann bekannt vor, aber McClown wusste nicht mehr, woher. Er hatte durch die Gasexplosion sein Gedächtnis verloren.

 

"McClown, es ist jetzt an der Zeit, nach Hamstern für meinen Pelzmantel zu suchen. Am besten machen sie sich gleich auf den Weg nach Syrien oder so. Ein guter Butler lässt seinen Herrn schließlich nicht frieren, oder?"

"Nein, Sir", antwortet McClown, "sicherlich nicht."

"Hier haben sie noch etwas Geld für die Reise", fuhr der Lord fort. "Wenn sie unterwegs Schwierigkeiten haben, dann sagen sie, dass sie im Auftrage des Lords vom Clan der McShredder unterwegs sind. Das sollte genügen. Gute Reise, und beeilen sie sich."

 

Mit wackeligen Beinen ging McClown zur Haustür, öffnete sie und ging in den Garten hinaus.

Die frische Luft dort draußen tat gut, denn im Schloss roch es doch recht muffig. Er überlegte angestrengt und murmelte: "Also, scheinbar bin ich ein Butler und heiße McClown. Der Alte mit dem Namen McShredder ist ein Lord in dem Schloss und muss also mein Chef sein. Ich soll jetzt Hamster besorgen, um einen Pelzmantel für ihn zu machen. Ganz schön bescheuert. Was soll's, ich erinnere mich an nichts mehr und kann nur hoffen, dass mir wieder alles einfällt."

 

Somit machte sich der Butler auf den Weg zum nächsten Flughafen, nämlich nach Glasgow. Auf dem Weg dorthin kam es zu einem peinlichen Zwischenfall. Als McClown in dem Zug, der ihn zum Flughafen bringen sollte, noch einmal darüber nachdachte, wie er denn so viele Hamster transportieren könnte, betrat ein Schaffner das Abteil. Nun ist es tatsächlich in Schottland so, dass man in den Zug einsteigt und die Fahrkarte bei einem Schaffner im Zug kauft. Der Schaffner trat auf den Butler zu und fragte: "Wie viele Personen, Sir?"

 

McClown war so sehr in seine Gedanken vertieft und überlegte, wie viele Hamster wohl für einen Pelzmantel nötig wären, dass er auf die Frage des Schaffners antwortete: "Tausende, wenn nicht noch mehr."

Es dauerte ein paar Minuten, bis sich der Schaffner von seinem Schreck erholt hatte und McClown seine Fahrkarte erhielt.

 

Der Flug nach Syrien ging relativ glatt, doch nachdem McClown eine Woche lang durch die syrische Wüste gewandert war, hatte er erstens keinen einzigen Hamster gefunden, und zweitens wurde er halb verdurstet von einer Wüstenpatrouille aufgegriffen.

 

Nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in einem Krankenhaus wurde er schließlich entlassen und aus Sicherheitsgründen gleich vom Krankbett aus ins nächste Flugzeug gesteckt, das ihn nach Paris brachte. Aus Syrien war er somit ausgewiesen worden, und in Paris verstand er kein Wort. Irgendwie gelang es ihm, bei Straßburg über die Grenze nach Deutschland zu flüchten. Was McClown natürlich durch die Gasexplosion nicht mehr wusste, war, dass er deutsche Vorfahren hatte. In Deutschland hatte er zu seiner grenzenlosen Freude kaum Schwierigkeiten mit der Verständigung. Damit war sein Problem aber noch nicht gelöst, denn wie sollte er nun an Hamster gelangen? Mehrfach wurde er nun in den nächsten Tagen von der Polizei angehalten, weil er sich zu mitternächtlicher Stunde vor Tiergeschäften herumtrieb. Es schien alles aussichtslos zu sein, bis der Zufall McClown zu Hilfe kam.

 


Als er sich in einer regnerischen Nacht auf eine Parkbank legte, deckte er sich wie üblich mit einer alten Zeitung zu, um sich gegen die nächtliche Kälte und die Feuchtigkeit zu schützen. Wie immer las er vor dem Einschlafen noch ein wenig, bis er auf einen Artikel stieß, der ihn sofort hellwach werden ließ. Es war die abenteuerliche Geschichte einer Kindergruppe, die mit einem Flugzeug auf einem Flughafen in der Nähe von Aubachtal notgelandet war. Leider fehlte ein Teil der Zeitung und alles, was McClown diesem Artikel entnehmen konnte, war, dass Hamster und Syrien irgendwie etwas damit zu tun hatten.

 

Nachdem er ein wenig geschlafen hatte, machte sich McClown auf den Weg nach Aubachtal, um der Sache auf den Grund zu gehen. Im Zentralarchiv der Bücherhalle stieß er auf eine wahre Fundgrube an Informationen. Am interessantesten erschien ihm der Bericht über einen gewissen Carlo Miesepeter.

Das ist mein Mann, dachte McClown und ging zum nächsten Telefonamt, um die Adresse von Carlo Miesepeter herauszufinden.

 

Wenig später stand er nun vor der Villa von Carlo Miesepeter. Es dauerte einige Zeit, bis Carlo Miesepeter verstand, was McClown überhaupt von ihm wollte.

"Ah, wenn ich richtig verstehe, Kumpel, willst du groß ins Hamstergeschäft einsteigen."

"Ja, Sir", entgegnete der Butler, "wenn sie mir dabei behilflich sein könnten, wäre ich ihnen sehr verbunden, Sir!"

"Tja, und was springt für mich dabei heraus?", wollte Carlo Miesepeter wissen.

"Nun Sir, ich denke, der Lord des Clans McShredder wird sich ihnen erkenntlich zeigen, Sir."

 


Carlo Miesepeter

Carlo Miesepeter überlegte, und er versuchte sich vorzustellen, wie viel Geld dieser Lord wohl hatte. Egal, denn wenn dieser komische Typ hinter den Hamstern her war, dann könnte es sich als nützlich für die Rache von Carlo Miesepeter an den Hamstern erweisen. Schließlich hatte er noch eine Rechnung mit diesen Nagetieren offen. Damals hatte er die Bank von Hamsterhausen gegründet, die ja bekanntlich Pleite ging.

 

Danach hatte er ein Restaurant eröffnet, und das lief soweit ganz gut, bis Carlo Miesepeter eines Tages auf die Idee kam, den Hamstern gebackene Abfälle zu servieren. Irgendwann kam das heraus, und er wurde mit Schimpf und Schande verjagt.

 

"Gut, Kumpel, ich sage dir, was du machen musst, und dafür legst du beim Lord ein gutes Wort für mich ein. Ich dachte da an ein kleines Schloss mit einem Stück Land für den Urlaub, in Ordnung?"

 

"In Ordnung, Sir, ich werde sehen, was ich machen kann."

 

Lange saßen die beiden noch zusammen, und erst nach einigen Stunden verließ McClown die Villa von Carlo Miesepeter. Er ging in eine Drogerie und besorgte sich ein paar Zutaten. Danach suchte er eine Eisenwarenhandlung auf und kaufte zwei dicke Stahlrohre. Nachdem er noch einen großen Karton, einen Filzstift und andere Sachen gekauft hatte, nahm er den Bus, den Carlo Miesepeter ihm beschrieben hatte und landete schließlich im Zauberwald. Dort angekommen schüttete er die gekauften Zutaten in die beiden Rohre und mischte Schwarzpulver dazu. Dann schnallte er sich die Rohre auf den Rücken, stellte sich vor eine Felswand und zündete beide Rohre gleichzeitig an. Es zischte und knallte und mit einem lauten Schrei flog McClown durch die Felswand hindurch bis hin nach Hamsterhausen. Da es Mittagszeit war, schlief natürlich alles in Hamsterhausen, und er konnte seinen Plan vorbereiten. Er nahm die restlichen Zutaten für die Rückreise aus dem Karton und füllte alles vorsorglich in die Stahlrohre. Als er damit fertig war, schnallte er die beiden Rohre wieder auf seinen Rücken. Auf den großen Karton schrieb er nun die Worte, die Carlo Miesepeter ihm in der Hamstersprache aufgeschrieben hatte:

 

ONIK – IERF TTIRTNIE!

 

Das hieß rückwärts gelesen: Kino – Eintritt frei. Dann schnitt er eine kleines Stück vom Karton ab – das war die Eingangstür des Kinos.

Nun hieß es für McClown nur noch abwarten und tatsächlich: Kaum wurde es dunkel, da versammelten sich Hunderte von Hamstern vor dem Karton, und einer nach dem anderen liefen sie in den Karton hinein. Geduldig wartete der Butler, bis auch der letzte Hamster in den Karton marschiert war und schlich nun zum Karton hin. Verdutzt lauschte er, denn es klangen seltsame Worte wie: 'NEGNAFNA, NEGNAFNA' an seine Ohren. McClown schob schnell ein großes, flaches Stück Pappe unter den Karton, drehte alles um und klebte den Karton und alle offenen Stellen mit Tesafilm zu.

 

Geschafft, nun musste er nur noch den Karton zurück nach Schottland bringen. Ihm graute vor der Rückreise, doch es musste sein. Er schnallte den Karton mit den Hamstern auf seinen Rücken zwischen die Rohre. Nachdem er zweimal von dem Gewicht nach hinten gezogen wurde, rückwärts umgefallen war und sich auf den Hintern gesetzt hatte, war es soweit. McClown zündete die Rohre und mit einem Knall flogen er und die Hamster zurück in den Zauberwald. Der Aufprall war kurz und schmerzvoll. Eine große, alte Eiche bremste den Butler mitten im Flug ab, doch die Hamster landeten glücklicherweise weich auf seinem Rücken.

 

Mit schmerzenden Gliedern und dröhnendem Kopf wachte McClown auf. Durch den heftigen Aufprall war sein Erinnerungsvermögen ein wenig zurückgekehrt, und ihm war sofort klar, dass er sich nicht in Schottland befand. Alles erschien ihm so fremd und außerdem fehlten die hohen Berge. Was ihm aber nun völlig schleierhaft war, wozu er einen Karton mit Hamstern mit sich herum schleppte. Er hatte auch keine Ahnung, warum er zwei merkwürdige Stahlrohre auf dem Rücken geschnallt trug. Kopfschüttelnd entledigte er sich der Rohre, nahm den Karton mit den Hamstern und ging weiter durch den Wald. Viele Stunden später kam er in dem kleinen Städtchen Aubachtal an und legte sich erst einmal auf eine nahe gelegene Parkbank und schlief ein. Es wurde eine unruhige Nacht, denn die Hamster veranstalteten ein Höllenspektakel und immer wieder wurde er durch merkwürdige Rufe, die wie 'EFLIH, EFLIH' klangen, aufgeweckt.

 

Am anderen Morgen ging er zum Bäcker und holte ein paar Brötchen, die er mit den Hamstern teilte. Sein nächster Weg führte ihn zur Bahnstation, von der aus er den nächsten Zug zum Frankfurter Flughafen nahm. Sein Plan, mit dem Flugzeug nach Hause zu fliegen, schlug leider fehlt, denn lebende Tiere durften nicht nach Großbritannien eingeflogen werden. McClown wusste zwar nicht, warum er diese Tierchen mit sich herum trug und was er damit eigentlich wollte, aber ihm war klar, dass es sich wohl um einen Auftrag seiner vertrottelten, schwerhörigen Lordschaft handelte. Also musste er irgendwie die Hamster zum Schloss hin schaffen, koste es, was es wolle.

 

Nach mehreren Tagen Fußmarsch landete McClown völlig abgerissen und müde in Calais, im Nordenwesten Frankreichs. Er hatte also den Ärmelkanal, der Europa von Großbritannien trennt, endlich erreicht. Was nun, fragte er sich, denn bestimmt war es auch mit einem Schiff nicht erlaubt, Tiere nach Großbritannien zu bringen. Somit entschloss sich McClown, an einem nebeligen Morgen heimlich mit dem Hamsterkarton unter dem Arm auf irgend ein Schiff zu schleichen. Er versteckte sich in einem der Rettungsboote und schlief vor Erschöpfung ein. Nach vielen Stunden weckte ihn ein Tuten, und er blickte vorsichtig unter der Plane des Rettungsbootes nach draußen. Kalte Luft blies ihm entgegen, und es war immer noch nebelig. Somit beschloss er, auf den Anbruch der Dunkelheit zu warten, um weitere Nachforschungen anzustellen.

Er träumte von einer warmen Kabine mit einer bequemen Badewanne, denn er hatte seinen Pullover leichtsinnigerweise auf die Hamster gelegt, und ihm war jetzt kalt. Er wollte die Hamster damit warm halten, doch die hatten es ihm damit gedankt, dass sie seinen schönen Pullover in Hunderte von kleinen Fetzen zerlegten. Nun hatte zwar jeder Hamster eine kuschelige Decke, doch McClown hatte keinen warmen Pullover mehr. Als es dunkel an Bord wurde, verließ er das Rettungsboot und sah sich um. Der Schrecken fuhr im in die Glieder, als ihm nach ein paar Minuten klar wurde, dass er nicht den Passagierdampfer nach Newcastle, sondern ein Fischerboot erwischt hatte. Wenigstens fand er ein großes Stück Trockenfisch und nahm es mit. Dann stieg er wieder zu den Hamstern ins Rettungsboot und hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

 

 

Um die Schottlandseiten und die Bücher (die ja vorwiegend für Kinder sind) ein wenig zu trennen, haben wir die Bücher verlagert. Sie befinden sich auf Hamsterhausen.de - natürlich kostenlos!

Hier geht es weiter mit dem nächsten Kapitel: Die Hamster sind fort!